Logo

Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch, § 906 II 2 BGB und § 906 II 2 BGB analog

Nachbarrechtlicher AusgleichsanspruchNachbarrechtlichem Ausgleichsanspruch
Aktualisiert vor 28 Tagen

Was versteht man unter dem nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruchs? In welchen Fällen wird § 906 II 2 BGB analog angewendet?

Der nachbarrechtliche Ausgleichsanspruch nach § 906 Abs. 2 S. 2 BGB ist ein wichtiges Instrument, um Beeinträchtigungen zwischen Nachbargrundstücken finanziell auszugleichen, wenn andere Ansprüche nicht greifen.

In direkter Anwendung gewährt § 906 Abs. 2 S. 2 BGB eine Entschädigung für Einwirkungen vom Nachbargrundstück, die als ortsübliche Benutzung geduldet werden müssen gemäß § 906 Abs. 2 S. 1 BGB. Das betrifft also Fälle, in denen du dich gegen die Einwirkung nicht wehren kannst, weil sie ortsüblich ist, du aber trotzdem einen Nachteil erleidest.

Darüber hinaus wird § 906 Abs. 2 S. 2 BGB analog angewendet, wenn Eingriffe vom Nachbargrundstück ausgehen, die nicht verhindert werden konnten. Ein typisches Beispiel: Ein schuldlos verursachter Brand greift auf das Nachbarhaus über. Da kein Verschulden vorliegt, sind keine anderen Schadensersatzansprüche einschlägig. Hier springt der analoge Anspruch als verschuldensunabhängiger bürgerlich-rechtlicher Aufopferungsanspruch ein.

Das Prüfungsschema des nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruchs umfasst sechs Voraussetzungen. Erstens muss eine rechtswidrige Einwirkung vorliegen. Zweitens muss diese vom benachbarten Grundstück ausgehen, wobei dies nicht für die Wohnungseigentümergemeinschaft gilt. Drittens darf keine Abwehrmöglichkeit gemäß §§ 1004, 862 BGB aus besonderen rechtlichen oder tatsächlichen Gründen bestanden haben. Viertens ist eine Unzumutbarkeit der Beeinträchtigung erforderlich, das heißt die Nachteile müssen so gravierend sein, dass sie entschädigt werden müssen. Fünftens darf kein anderweitiger Ersatzanspruch bestehen, denn der nachbarrechtliche Ausgleichsanspruch ist subsidiär, um sonstige Regelungsmechanismen nicht auszuhöhlen. Sechstens muss ein kausal verursachter Schaden gemäß §§ 249 ff. BGB vorliegen, der objektiv zurechenbar vom Nachbargrundstück ausgeht.

Der nachbarrechtliche Ausgleichsanspruch ist ein verschuldensunabhängiger und subsidiärer Anspruch für nicht abwehrbare Beeinträchtigungen vom Nachbargrundstück.

Merke

Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch, § 906 II 2 BGB und § 906 II 2 BGB analog

  • Direkte und analoge Anwendung

    • Aus § 906 II 2 BGB in direkter Anwendung Entschädigung für Einwirkungen vom Nachbargrundstück, die als ortsübliche Benutzung geduldet werden müssen gem. § 906 II 1 BGB

    • Analog § 906 II 2 BGB Entschädigung für Eingriffe vom Nachbargrundstück, die nicht verhindert werden konnten; z.B. schuldlos verursachter Brand greift auf Nachbarhaus über (mangels Verschuldens keine anderen Schadensersatzansprüche einschlägig); verschuldensunabhängiger „bürgerlich-rechtlicher Aufopferungsanspruch“

  • Voraussetzungen

    1. Rechtswidrige Einwirkung

    2. Vom benachbarten Grundstück: Gilt nicht für Wohnungseigentümergemeinschaft

    3. Keine Abwehrmöglichkeit gem. §§ 1004, 862 BGB aus besonderen rechtlichen oder tatsächlichen Gründen

    4. Unzumutbarkeit der Beeinträchtigung: Nachteile so gravierend, dass sie entschädigt werden müssen

    5. Kein anderweitiger Ersatzanspruch: Nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch subsidiär, um sonstige Regelungsmechanismen nicht auszuhöhlen.

    6. Kausal verursachter Schaden, §§ 249 ff. BGB: Objektiv zurechenbar vom Nachbargrundstück ausgehend

Teste dein Wissen

Frage 1/1

A pflanzt eine große Tanne in seinem Garten. Die Tanne wirft Schatten auf die Solaranlage seines Nachbarn N. Aufgrund einer Schutzverordnung darf A die Tanne nicht entfernen. N erleidet durch den Schattenwurf erhebliche Ertragseinbußen. Welche Aussagen sind richtig?

A ist verpflichtet, N für die Ertragseinbußen zu entschädigen.
N muss den Schatten grundsätzlich hinnehmen.
A handelt schuldhaft, weil er die Tanne nicht entfernt.
Die Beeinträchtigung ist dem N nicht zuzumuten.
Logo

Deine Lernplattform für mehr Verständnis im Jurastudium

4.9 von 5 Sternen aus 60+ Google-Bewertungen

Lerne mit weiteren Inhalten aus dem Zivilrecht und zum Thema Immobiliarsachenrecht.
Erlebe eine neue Lernerfahrung mit kompakten, verlinkten Inhalten in einer interaktiven Plattform.
Spare wertvolle Zeit
mit kompakten Inhalten im Zivilrecht, Strafrecht & Öffentlichen Recht
Entwickle Systemverständnis
durch interaktive Verlinkungen zwischen allen Themen
Trainiere effizient die Anwendung
mit Multiple-Choice-Fallfragen und Fallbeispielen
Lerne auch unterwegs
mit nahtlosem Wechsel zwischen allen Geräten

Das sagen unsere Nutzer

Die Struktur, das Design und der Inhalt der App sind hervorragend. Während meiner Recherche habe ich viele juristische Seiten besucht und sogar einen Kurs bei Jura Academy absolviert. Ehrlich gesagt gefällt mir deine Seite am besten.

Ziad T.

Jurastudent

Z
Lernkarten
2.000+
Nutzer
1.000+
Übungsfragen
2.800+